14 Tipps für eine kosteneffiziente Videoüberwachungslösung

Uri Guterman, Head of Product & Marketing bei Hanwha Techwin Europe, über die wichtigsten Faktoren der mittel- bis langfristigen Kosten eines Videoüberwachungssystems.


Wenn es um die Aspekte geht, die sich besonders auf die Gesamtbetriebskosten (engl.: Total cost of ownership, kurz: TCO) auswirken, denke ich an ein Zitat des britischen Dichters und Poeten John Ruskin aus dem 19. Jahrhundert:

“It’s unwise to pay too much, but it’s unwise to pay too little. When you pay too much you lose a little money. That is all. When you pay too little, you sometimes lose everything, because the thing you bought was incapable of doing the thing you bought it to do. The common law of business prohibits paying a little and getting a lot. It can’t be done. If you deal with the lowest bidder, it’s well to add something for the risk you run. And if you do that, you will have enough to pay for something better.”

In Bezug auf die Videoüberwachung ist das Zitat auch heute noch absolut relevant, auch wenn es 200 Jahre alt ist. In wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, oftmals verbunden mit einem hohen Kostendruck, besteht immer das Risiko, bei der Bewertung der Rentabilität nur die direkten Anschaffungskosten einzubeziehen, nicht aber die TCO über die gesamte Betriebsdauer des Systems.

Bei der Berechnung der tatsächlichen Gesamtbetriebskosten sollten neben den einmaligen Kosten unbedingt die wiederkehrenden Faktoren einfließen. Neben den reinen Anschaffungskosten für Kameras, Rekorder, Videomanagementsoftware (VMS), Verkabelung, Netzwerkgeräte und Installationskosten sind dies insbesondere die Kosten für die Stromversorgung sowie die Wartung und Instandhaltung des Videoüberwachungssystems. Auch die Kosten für künftige Upgrades sollten nicht außer Acht gelassen werden, da sich die Anforderungen im Laufe der Zeit ändern können. Häufig möchten Kunden zum Beispiel zu einem späteren Zeitpunkt den Abdeckungsbereich des Systems erweitern (die Kosten für die Bereitstellung zusätzlicher Videospeicherkapazität können beträchtlich sein) oder die Leistungsfähigkeit des Systems durch bestimmte Videoanalysetools steigern.

Berücksichtigt man diese Punkte, kann sich das auf den ersten Blick günstigste Produkt im Laufe der Zeit leicht als “Fass ohne Boden” herausstellen und der Kunde die Anschaffung bereuen.

total cost of ownership (TCO)

Daher haben wir Ihnen einige Vorschläge zusammengestellt, die Ihnen bei der Entscheidung für ein Videoüberwachungsprodukt helfen sollen, den langfristigen Nutzen zu bewerten und unerwartete Kostensteigerungen zu vermeiden, die das Budget sprengen können. 

 

  • Handelt es sich bei den Kameras um “Open Platform”-Geräte und verfügen ihre Chipsätze über ausreichende Rechenleistung, um edge-basierte Videoanalysen von Drittanbietern auszuführen, die Sie gegebenenfalls jetzt oder in Zukunft nutzen möchten

 

  • Unterstützen die Kameras und Aufzeichnungsgeräte H.265 sowie andere Kompressionsformate? Hochauflösende Bilder mit hohen Bildraten können schnell NVRs oder Server an den Rand ihrer Kapazität bringen, wenn sie aufgezeichnet werden. Dies kann die Kosten für Bandbreite und Speicherplatz sehr kostspielig machen, wenn Sie beweissichere Bilder aufzeichnen und speichern möchten. Vor diesem Hintergrund sollten Sie Kameras von Herstellern nutzen, die zusätzlich eigene Kompressionstechnologie entwickelt haben, um H.265 zu ergänzen und die Bandbreiteneffizienz weiter zu verbessern.

 

  • Verfügen die Kameras über eine integrierte IR-Beleuchtung? Die Kosten für die Installation einer externe Beleuchtungslösung können beträchtlich sein. Möchten Sie rund um die Uhr qualitativ hochwertige Bilder erfassen, benötigen Sie leistungsstarke Kameras, die unabhängig von den Lichtverhältnissen arbeiten.

 

  • Ist ein Produkt aufrüstbar und zukunftssicher, d. h. wurde es so entwickelt, dass es mit potenziell integrierbaren Produkten von Drittanbietern in beide Richtungen kompatibel ist?

 

  • Verfügen die Kameras über eine Firmware, die einfach aktualisiert werden kann, wenn neue Funktionen oder Sicherheitsupdates bei neuen Cyber-Bedrohungen verfügbar sind? Dies ist ein entscheidender Punkt, der allein einen höheren Anschaffungspreis rechtfertigt. Die Kosten in einem möglichen Schadensfall können immens sein und den Aufpreis weit übersteigen. Es sollte allerdings selbstverständlich sein, dass der Hersteller alle Upgrades kostenlos anbietet.

 

  • Bietet der Hersteller Kameras mit integrierten Videoanalysetools an? Falls ja, ist diese Lösung lizenzfrei bzw. wie hoch sind die damit verbundenen Kosten?

 

  • Videoüberwachungskameras mit integrierter Videoanalyse werden häufig eingesetzt, um unerlaubtes Eindringen zu erkennen. Doch nicht alle Videoanalyselösungen können zwischen einem streunenden Tier und einem menschlichen Eindringling bzw. einem Fahrzeug und bestimmten Bildrausch-Effekten unterscheiden. Neben unnötigen Einsätzen für das Sicherheitspersonal bedeuten daraus resultierende Fehlalarme erhebliche Kosten. Wir empfehlen daher, zukunftssichere Kameras einzusetzen, die Edge-basierte KI-Analysen mit Deep Learning unterstützen.

 

  • Sind die Kameras und Aufzeichnungsgeräte in die Plattformen der führenden unabhängigen VMS-Anbieter wie Genetec und Milestone integriert? Wenn nicht, könnte dies zusätzliche Kosten bedeuten, wenn Sie das System bei neuen Anforderungen anpassen müssen. Unabhängige VMS-Anbieter bieten “Open Platform“-Software an, die speziell dafür entwickelt ist, Geräte und Systeme verschiedener Hersteller einfach zu integrieren.

 

  • Wenn Sie nicht beabsichtigen, die VMS-Lösung eines Drittanbieters zu verwenden, bitten Sie den Kamerahersteller um eine Demo seiner eigenen Videomanagementsoftware inkl. Benutzeroberfläche. Eine intuitive und einfache Handhabung reduziert die Schulungskosten erheblich.

 

  • Kann der Hersteller Ihnen eine verlässliche Schätzung der Lebensdauer seiner Produkte und einen Nachweis über deren Zuverlässigkeit liefern? Dies ist besonders da wichtig, wo bewegliche Teile verbaut werden, zum Beispiel bei PTZ-Kameras. Bietet Ihnen ein Hersteller einen unkomplizierten, erweiterten Austausch-Service für Produkte an, die unter die Garantie fallen? Erstreckt sich diese Garantie auf mindestens 3 Jahre? Einige Hersteller, wie beispielsweise Hanwha Techwin, bieten sogar eine 5-Jahres-Garantie über die Installationsbetriebe und Systemintegratoren, die Teil des Partnerprogramms sind.

 

  • Wie hoch sind die geschätzten Energiekosten der einzelnen Systemkomponenten? Es ist teilweise überraschend, wie hoch die Betriebskosten einiger Geräte sind. Wir empfehlen Ihnen daher, IP-Netzwerk-Kameras zu nutzen, die über Power of Ethernet (PoE) mit geringem Stromverbrauch verfügen. Dies senkt zudem die Installationskosten, da nicht mehr jede Kamera eine Steckdose benötigt und der Verkabelungsaufwand reduziert wird. Einige Hersteller bieten zudem PoE-„Extender“-Kameras – eine äußerst kostengünstige Methode zur Installation eines neuen Zwei-Kamera-Systems oder zur Erweiterung einer bestehenden Lösung um eine zusätzliche Kamera. Durch diese Modelle lassen sich auch andere PoE-fähige Geräte anschließen, zum Beispiel eine zusätzliche Beleuchtungseinheit, ein I/O-Controller oder ein PIR-Sensor.

 

  • Wie lange dauert die Installation der verwendeten Kameras, Videorekorder oder anderer Geräte? Werden sie per Fernzugriff eingerichtet und künftig konfiguriert, ohne dass ein Techniker vor Ort sein muss? Einige Kameras sind zudem mit motorisierten PTRZ-Kardanaufhängungen ausgestattet. Damit können Techniker auch die Objektivposition ferngesteuert schwenken, neigen, drehen und zoomen, um das Sichtfeld einzustellen.

 

  • Die Zusammenarbeit mit Herstellern, die auf NVRs vorinstallierte Videomanagementsoftware (VMS) sowie auf Kameras vorinstallierte Videoanalysetools bieten, spart ebenfalls Zeit und Kosten. Zudem ist so eine reibungslose Integration sichergestellt, ohne dass zusätzliche Schulungen nötig werden.

 

  • Der wichtigste Faktor ist zweifellos die Cybersicherheit der Produkte. Unabhängig davon, ob aus kriminellen Zwecken oder als Wettkampf unter Hackern: Cyberangriffe stellen eine große Bedrohung für die vertraulichen Daten der Endkunden dar, und können im Ernstfall sehr teuer werden.

 

Wir empfehlen daher dringend, nur Videoüberwachungsprodukte von Herstellern zu nutzen, die sich den „Secure by Default“-Standards unterwerfen, die 2019 eingeführt wurden. Diese verpflichten Hersteller dazu, den Schutz vor Cyberangriffen zu einem grundlegenden Merkmal einer Videoüberwachungslösung zu machen. Die Cybersicherheit darf dabei nicht einfach als eine von vielen nützlichen Funktionen behandelt werden, sondern muss bereits bei der Entwicklung einer Kamera grundlegend berücksichtigt werden. Da solche Produkte bereits ab Werk sicher sind, können Kunden die Kosten für die Absicherung durch eigene Sicherheitsspezialisten vermeiden.

 

  • Zusätzlich zu möglichen Imageschäden und dem potenziellen Verlust sensibler Daten als Folge eines Cyberangriffs besteht die Notwendigkeit, die Vorgaben der DSGVO zu erfüllen, um empfindlichen Bußgeldern zu entgehen. Es ist daher ratsam, Hersteller auszuwählen, deren Aufzeichnungsgeräte mit speziellen Videomaskierungstools von Drittanbietern integrierbar sind. Damit können Sie die Privatsphäre von Personen schützen, die zwar auf Bildern erfasst, aber nicht in kriminelle Aktivitäten verstrickt sind.

 

Die Aufzeichnungsgeräte sollten auch insoweit DSGVO-konform sein, dass Videobeweise nach einer bestimmten Anzahl von Tagen automatisch gelöscht werden. Ausnahmen sind nur in solchen Fällen möglich, in denen der Betreiber die Aufnahmen explizit mit einem Lesezeichen versieht und sie so manuell zur Speicherung für einen längeren Zeitraum freigibt.

Zusammenfassung

Obwohl Investitionen in ein Videoüberwachungssystem grundsätzlich eine hohe Kapitalrendite (engl.: Return on Investment, kurz: ROI) versprechen, sollten immer die Gesamtbetriebskosten (TCO) in der Entwurfs- und Planungsphase berücksichtigt werden. So stellen Sie sicher, dass die Anwender den maximalen Nutzen aus ihren Systemen ziehen – von Beginn an, aber auch über viele Jahre hinweg.

Sie haben weitere Fragen zur Bewertung der Gesamtbetriebskosten eines Videoüberwachungssystems? Uri Guterman steht Ihnen per E-Mail unter [email protected] gerne für Antworten zur Verfügung.